Anlagefonds Säule 3a: aktiv oder passiv?
Welcher Vorsorgefonds gehört in meine Säule 3a? Compando zeigt, was aktiv verwaltete und passive Fonds unterscheidet, wie stark die TER am Endkapital zehrt und warum Ihr Fondsanteil bei einem Konkurs geschützt bleibt.
1. Was sind Anlagefonds in der Säule 3a?
Ein Anlagefonds bündelt Geld vieler Anleger und investiert es gleichzeitig in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Obligationen oder Immobilien. Statt einzelne Titel zu kaufen, erwerben Sie mit einem Fondsanteil einen Anteil am gesamten Portfolio.
Der zentrale Vorteil ist die Diversifikation: Typische Vorsorgefonds investieren in mehrere tausend Einzeltitel gleichzeitig. Das Risiko verteilt sich breit, statt sich auf wenigen Positionen zu konzentrieren. Im Vergleich zum klassischen 3a-Sparkonto bieten Anlagefonds mehr Wachstumspotenzial, dafür mit Schwankungen.
In der Säule 3a bilden Anlagefonds die Grundlage aller Wertschriftenlösungen. Wer sein Vorsorgegeld investiert, tut das über einen Fonds, aktiv verwaltet oder passiv als Indexfonds. Wie viel Aktien darin stecken, reicht bei den Anlageprodukten der Säule 3a von null bis 95 Prozent.
2. Wie funktionieren Anlagefonds?
Beim Kauf eines Fonds erwerben Sie Anteilsscheine. Deren Wert verändert sich laufend mit der Entwicklung der enthaltenen Anlagen. Ein Fonds mit 60 Prozent Aktienanteil reagiert stärker auf Börsenentwicklungen als ein defensiver Fonds mit hohem Obligationenanteil.
Vorsorgefonds in der Schweiz sind fast durchwegs thesaurierend: Erträge wie Dividenden oder Zinsen werden automatisch wieder investiert, statt ausgeschüttet zu werden. Sie müssen also nichts selbst reinvestieren, damit der Zinseszinseffekt greift. Die jährliche Steuerersparnis wirkt parallel zur Anlagerendite.
In der Praxis heisst das:
- Steigende Märkte: Fondswert steigt
- Fallende Märkte: Fondswert sinkt vorübergehend, Rückgänge von 20 Prozent oder mehr sind möglich
- Lange Haltedauer: mehr Zeit, um Rückgänge wieder aufzuholen
Beispielrechnung: Eine 38-jährige Bauingenieurin aus Chur investiert seit 8 Jahren in einen Vorsorgefonds mit 40 Prozent Aktienanteil. Trotz Kursrückgängen 2020 und 2022 liegt ihr Vermögen heute rund 18 Prozent über dem reinen Einzahlungsbetrag.
3. Aktive oder passive Anlagefonds?
Der Unterschied liegt in der Verwaltung. Beim aktiven Fonds entscheidet ein Fondsmanagement laufend, welche Titel gekauft oder verkauft werden, mit dem Ziel, den Markt zu übertreffen. Ein passiver Fonds bildet einen Index nach und hält die Kosten tief.
Kriterium | Aktiver Fonds | Passiver Fonds |
|---|---|---|
Ansatz | Manager wählt Titel | bildet Index nach |
Kosten (TER) | 0.5–1.0 % | 0.2–0.5 % |
Ziel | Markt übertreffen | Markt abbilden |
Ergebnis | mehrheitlich unter dem Index | entspricht dem Index |
Die Mehrheit der aktiv verwalteten Fonds schneidet über lange Zeiträume nach Abzug der Gebühren schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Ein aktiver Fonds muss seinen Kostennachteil also erst aufholen, bevor er für Sie überhaupt etwas verdient. Was am Ende zählt, ist die Rendite nach Kosten.
Passiv geführte Fonds gibt es in der Säule 3a in zwei Formen. Die Anbieter arbeiten überwiegend mit institutionellen Indexfonds, seltener mit börsengehandelten ETFs. Für Sie macht das kaum einen Unterschied, weil Sie über Jahrzehnte halten und nicht laufend handeln.
4. Anlagefonds Gebühren: Wie hoch ist die TER?
Die laufenden Kosten eines Fonds werden als TER (Total Expense Ratio) angegeben. Sie umfassen Verwaltung, Depotführung und Betrieb. Bei einzelnen Anbietern kommen Ausgabeaufschläge oder Rücknahmegebühren hinzu.
Passive Indexfonds und ETF liegen bei 0.2 bis 0.5 Prozent pro Jahr, aktiv verwaltete Vorsorgefonds bei 0.5 bis 1.0 Prozent. Versicherungslösungen kosten mit bis zu 1.2 Prozent mehr als jede Fondsvariante.
Die TER wird jedes Jahr vom gesamten Guthaben abgezogen, unabhängig davon, wie sich der Markt entwickelt. Sie wächst also mit Ihrem Vermögen mit. Bei CHF 100'000 kostet eine TER von 1.0 Prozent CHF 1'000 pro Jahr, bei CHF 200'000 sind es CHF 2'000.
Über Jahrzehnte entscheidet dieser Abzug über einen fünfstelligen Betrag. Schon 0.5 Prozent mehr Gebühren pro Jahr bedeuten bei einem Guthaben von CHF 50'000 über 25 Jahre rund CHF 15'000 weniger Endkapital. Das ist mehr, als der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Börsenjahr ausmacht.
Wer einen bestehenden Fonds hat, kann den Anbieter wechseln, bei digitalen Anbietern ohne Gebühr. Gebühren, Fondsauswahl und Mindesteinlage der 3a-Anbieter liegen zwischen Banken, Versicherungen und Vorsorge-Apps weit auseinander.
5. Wie sicher sind Anlagefonds?
Anlagefonds in der Schweiz gelten als Sondervermögen. Das Fondsvermögen wird getrennt vom Vermögen der Fondsleitung und der Depotbank gehalten. Geht eines der beiden Institute in Konkurs, fällt Ihr Fondsanteil nicht in die Konkursmasse. Die Aufsicht über Kollektivanlagen liegt bei der FINMA.
Dieser Schutz gilt gegenüber dem Institut, nicht gegenüber dem Markt. Ein Fonds kann an Wert verlieren, ohne dass jemand insolvent wird. Wie stark er verliert, bestimmt der Aktienanteil. Ob Sie das aushalten, entscheidet Ihr Anlagehorizont. Er entscheidet auch, ob Sie Ihr Vorsorgegeld überhaupt investieren sollen.
6. Fazit: Lohnen sich Anlagefonds in der Säule 3a?
Anlagefonds lohnen sich bei einem langen Anlagehorizont. Ab rund 10 bis 15 Jahren wiegt die höhere Renditechance das Schwankungsrisiko auf, verstärkt durch den Zinseszinseffekt. Steht ein Bezug in den nächsten Jahren an, bleibt das 3a-Konto die sichere Wahl.
Welcher Fonds passt, entscheidet sich an drei Punkten. Der Anlagehorizont bestimmt den möglichen Aktienanteil: je länger, desto höher. Die Kosten wirken über die Jahre stark; schon 0.5 Prozent tiefere TER summieren sich auf einen fünfstelligen Betrag. Die Streuung verteilt das Risiko über tausende Positionen.
Für kurze Horizonte eignen sich defensive Fonds mit tiefem Aktienanteil, für lange Horizonte kostengünstige Index- oder ETF-Lösungen. Den Fonds innerhalb Ihrer 3a-Lösung wechseln Sie jederzeit.
Vorsorgevermögen mit den eigenen Zahlen berechnen
Welches Endvermögen sich aus der eigenen Situation aufbauen lässt, berechnet der Säule-3a-Rechner in vier Szenarien.




