Säule 3a für Frauen: Vorsorgelücke bei Teilzeit und Mutterschaft schliessen

Teilzeit und Erwerbsunterbrüche hinterlassen bei Frauen eine Vorsorgelücke. Compando zeigt, wie stark der Gender Pension Gap ausfällt, warum die Pensionskasse am meisten leidet und wie die Säule 3a mit Steuervorteil gegensteuert.

Aktualisiert am 03.08.2026
Frau arbeitet zuhause an einem Laptop

1. Warum haben Frauen weniger Rente als Männer?

In der Schweiz erhalten Frauen im Alter durchschnittlich rund 33 Prozent weniger Rente als Männer. Dieser Gender Pension Gap verteilt sich sehr ungleich: Bei der AHV bestehen kaum Unterschiede, bei der Pensionskasse dagegen erhalten Frauen laut Bundesamt für Statistik rund 47 Prozent weniger Rente.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrüche wegen Kinderbetreuung
  • tiefere Löhne über das ganze Erwerbsleben
  • weniger Beitragsjahre in der Pensionskasse

Wer das Pensum für die Familie reduziert, zahlt Jahr für Jahr weniger in die Pensionskasse ein. Viele erhöhen es später wieder, holen die fehlenden Beiträge aber meist nicht mehr auf. Bei einer Scheidung kann zudem das während der Ehe angesparte 3a-Guthaben geteilt werden, abhängig vom Güterstand.

Umso wichtiger ist eine eigene, private Vorsorge über die Säule 3a.

2. Wie wirkt sich Teilzeit auf die Pensionskasse aus?

Teilzeit senkt die Pensionskassen-Leistungen oft stärker, als es das reduzierte Pensum vermuten lässt. Der Grund sind zwei feste Grössen in der beruflichen Vorsorge: die Eintrittsschwelle und der Koordinationsabzug.

Erst ab einem Jahreslohn von CHF 22'680 ist eine Anstellung überhaupt in der Pensionskasse versichert. Vom Lohn darüber wird der Koordinationsabzug von CHF 26'460 abgezogen; nur der Rest zählt als versicherter Lohn, also der Teil des Lohns, auf dem die Pensionskasse Beiträge berechnet. Bei tiefem Teilzeitlohn bleibt davon besonders wenig übrig:

Pensum

Jahreslohn

Versicherter Lohn

100 %

CHF 90'000

CHF 63'540

80 %

CHF 72'000

CHF 45'540

60 %

CHF 54'000

CHF 27'540

40 %

CHF 36'000

CHF 9'540

Versicherter Lohn = Jahreslohn minus Koordinationsabzug (CHF 26'460), Stand 2026. Viele Pensionskassen kürzen ihn bei Teilzeit anteilig.

Ein 60-Prozent-Pensum bringt also nur rund 43 Prozent des versicherten Lohns eines Vollzeitpensums, ein 40-Prozent-Pensum sogar nur einen Bruchteil. Genau hier entsteht die Lücke.

Ein zusätzlicher Erwerbsunterbruch wegen Kinderbetreuung verstärkt sie, weil auch der Zinseszinseffekt kleiner ausfällt. Sichtbar wird das oft erst, wenn die Pensionierung näher rückt.

3. Wie gross ist die Vorsorgelücke bei Frauen?

Wie stark sich Teilzeit summiert, zeigt ein einfaches Beispiel.

Beispielrechnung: Eine 42-jährige Sekundarlehrerin aus Schwyz arbeitet zehn Jahre im 60-Prozent-Pensum statt Vollzeit. Jedes Jahr fliesst dadurch weniger in ihre Pensionskasse:

Pro Jahr

100 % Pensum

60 % Pensum

Monatslohn

CHF 8'000

CHF 4'800

Einzahlung Pensionskasse (Arbeitnehmer + Arbeitgeber)

ca. CHF 12'000

ca. CHF 5'500

Modellwerte, gerundet. Wegen des Koordinationsabzugs sinkt die Einzahlung stärker als das Pensum.

Das sind rund CHF 6'500 weniger pro Jahr, über zehn Jahre etwa CHF 65'000. Zusammen mit dem Zinseszinseffekt fehlen ihr bis zur Pensionierung gut CHF 80'000 im Alterskapital. Diese Beiträge kann sie später nicht mehr nachholen.

Die AHV gleicht solche Unterschiede nur teilweise aus, in der Pensionskasse wirken sich tiefere Löhne dagegen viel stärker aus. Eine private Vorsorge wie die steuerlich abzugsfähige Säule 3a kann die Lücke teilweise ausgleichen, vorausgesetzt, sie beginnt früh genug. Wer die Vorsorgelücke erst kurz vor der Pensionierung prüft, hat kaum noch Spielraum.

4. Kann die Säule 3a die Vorsorgelücke ausgleichen?

Ja, zumindest teilweise. Regelmässige Einzahlungen in die Säule 3a bauen ein eigenes Vorsorgevermögen auf, das die Lücke aus der Pensionskasse abfedert. Entscheidend ist der frühe Beginn: Schon kleine Beträge wachsen über Jahrzehnte spürbar.

Monatliche Einzahlung

Mögliches Vermögen nach 30 Jahren

CHF 200

ca. CHF 120'000

CHF 300

ca. CHF 180'000

CHF 500

ca. CHF 300'000

Grössenordnungen bei langfristiger Wertschriftenanlage und durchschnittlicher Rendite, gerundet.

Gerade bei reduzierten Leistungen aus der Pensionskasse wirkt die Säule 3a gleich mehrfach: Die Einzahlung bis zum Maximalbetrag senkt jedes Jahr die Steuern, das Guthaben wächst steuerfrei und über die Jahre entsteht Vorsorgevermögen neben AHV und Pensionskasse. Bei langem Anlagehorizont bringt eine Wertschriftenlösung höhere Renditechancen und nutzt den Zinseszinseffekt stärker; bei kurzem Horizont bleibt das 3a-Konto die konservative Wahl.

Vorsorgevermögen mit Einzahlung und Anlagedauer berechnen

Einzahlung, Anlagedauer und erwartete Rendite zeigen im Säule-3a-Rechner das mögliche Endvermögen in vier Szenarien.

5. Wie kann ich als Frau meine Vorsorgelücke schliessen?

Die Säule 3a bringt am meisten, ist aber nicht der einzige Weg. Diese drei Ansätze lassen sich kombinieren:

  • Säule 3a aufbauen: regelmässig einzahlen, am besten mit einem Dauerauftrag über das ganze Jahr.
  • AHV-Beitragslücken schliessen: Fehlende Beitragsjahre lassen sich innerhalb von fünf Jahren nachzahlen. Jedes fehlende Jahr kürzt die spätere AHV-Rente um rund 2,3 Prozent.
  • Einkauf in die Pensionskasse: Wer nach der Familienphase wieder mehr verdient, kann sich oft mit grösseren Beträgen in die zweite Säule einkaufen und dabei zusätzlich Steuern sparen.

Der häufigste Fehler ist, die Folgen der Teilzeit zu unterschätzen und sich allein auf die AHV oder die Absicherung durch den Partner zu verlassen. Besonders zentral ist die eigene Vorsorge für Selbständige ohne Pensionskasse und für Frauen im Konkubinat, die keine gesetzliche Hinterlassenenabsicherung haben.

6. Fazit: Lohnt sich die Säule 3a für Frauen?

Ja. Gerade bei Teilzeit lohnt sich die Säule 3a besonders: Weil Teilzeit und Erwerbsunterbrüche die Pensionskasse stark treffen, gleicht die private Vorsorge einen Teil der tieferen Leistungen wieder aus. Drei Dinge entscheiden über die Wirkung:

  • Früher Beginn: Jedes Jahr mehr Anlagezeit verstärkt den Zinseszinseffekt.
  • Regelmässigkeit: Konstante Einzahlungen bis zum Maximalbetrag schlagen unregelmässige Grossbeträge.
  • Anlageform: Über lange Horizonte bringt eine Wertschriftenlösung deutlich mehr als das reine Konto.

Wie stark sich Kosten und Renditechancen zwischen den Anbietern unterscheiden, entscheidet über die Jahrzehnte mit.

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Dieser Artikel wurde erstmals veröffentlicht am 11.05.2026

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