Nachhaltige Säule 3a: Was ESG wirklich bedeutet

Fast jeder 3a-Anbieter führt heute nachhaltige Varianten. Eine Studie im Auftrag des Bundes kommt jedoch zum Schluss, dass nur rund ein Zehntel der 3a-Wertschriften einen echten Wirkungsanspruch verfolgt. Compando zeigt, was ESG tatsächlich misst, woran Sie echte Nachhaltigkeit erkennen und was sie kostet.

Aktualisiert am 03.08.2026
Hand wirft ein grünes Blatt in ein Globus-Sparschwein

1. Was heisst nachhaltige Säule 3a?

Nachhaltig ist eine Säule 3a erst dann, wenn ihre Wertschriften mehr leisten, als ökologische Risiken zu meiden. Das Kürzel ESG steht für Environmental, Social und Governance: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Es beschreibt, welche Kriterien ein Fonds prüft. Was eine Anlage bewirkt, sagt es nicht. Der Bundesrat hat diese Lücke geschlossen.

In seinem Standpunkt zur Greenwashing-Prävention vom Dezember 2022 hat er festgelegt, wann ein Finanzprodukt überhaupt nachhaltig heissen darf: Es muss zu einem Nachhaltigkeitsziel beitragen oder zumindest mit einem solchen verträglich sein. Produkte, die lediglich ESG-Risiken senken, gelten nicht als nachhaltig. Solche Risiken zu steuern, gehört zur Sorgfaltspflicht jedes Vermögensverwalters. Ein Nachhaltigkeitsversprechen ist es nicht.

Dahinter stehen drei ganz unterschiedliche Motive:

  • Risiko: Sie wollen Ihr Geld vor Umwelt- und Klimarisiken schützen. Ein finanzielles Ziel.
  • Werte: Sie wollen bestimmte Branchen nicht mitfinanzieren, etwa Kohle, Waffen oder Tabak. Umgesetzt wird das über Ausschlusslisten.
  • Wirkung: Sie wollen mit Ihrem Kapital tatsächlich etwas verändern. Das verlangt aktive Einflussnahme auf Unternehmen oder gezielte Investitionen in die Energiewende.

Eine reine ESG-Risikobetrachtung genügt dem Massstab des Bundesrats nicht. Wer nachhaltig investieren will, muss deshalb bei den Werten oder bei der Wirkung ansetzen.

In der Säule 3a betrifft das ausschliesslich die Wertschriften. Ein 3a-Zinskonto lässt sich nicht nachhaltig ausgestalten. Nachhaltige 3a-Lösungen setzen deshalb auf ESG-Fonds oder auf nachhaltige Indexlösungen.

2. Wie nachhaltig ist das Schweizer 3a-Angebot wirklich?

Deutlich weniger, als die Produktnamen vermuten lassen. Eine Studie der ZHAW im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (BAFU) hat 2024 über 150 Schweizer Säule-3a-Produkte untersucht. Die Bilanz:

Befund

Anteil

3a-Kapital in Wertschriften (Rest: Konto und Police)

rund 30 %

Davon mit echtem Wirkungsanspruch

rund 10 %

Anteil am gesamten 3a-Vermögen

rund 3 %

Anbieter mit sektorbasierter Klimastrategie

keiner

Rund die Hälfte der 3a-Wertschriften verfolgt zwar ESG-Ansätze. Die Mehrheit davon ist jedoch risikobasiert und fällt damit aus dem Nachhaltigkeitsbegriff des Bundesrats heraus.

Der Grund dafür liegt in der Kennzahl selbst. Der Marktführer MSCI weist ausdrücklich darauf hin, dass seine ESG-Ratings ausschliesslich die finanzielle Wesentlichkeit abbilden. Sie zeigen, wie Umwelt- und Sozialthemen auf ein Unternehmen wirken, nicht wie das Unternehmen auf die Umwelt wirkt. Ein hohes ESG-Rating misst also Ihr Risiko, nicht Ihre Wirkung.

Dazu kommt eine strukturelle Grenze der gebundenen Vorsorge: Die wirkungsvollsten Anlagen sind in der Säule 3a gar nicht möglich. Weil Sie Ihr Guthaben jederzeit transferieren oder für Wohneigentum beziehen können, müssen die Anlagen liquide bleiben. Private Equity, Infrastrukturprojekte oder Immobilien-Anlagestiftungen sind rechtlich zwar zugelassen, praktisch aber nicht investierbar.

3. Woran erkenne ich eine wirklich nachhaltige 3a-Lösung?

Der Begriff selbst hilft Ihnen nicht weiter, denn er ist nicht geschützt. Erschwerend kommt hinzu: Laut der BAFU-Studie deklarieren die Anbieter ihr Nachhaltigkeitsmotiv praktisch nie. Es bleibt offen, ob ein Fonds Nachhaltigkeit als Risikowerkzeug nutzt oder ob er eine Wirkung anstrebt.

Vier Fragen bringen Sie im konkreten Fall weiter:

Frage

Was Sie im Factsheet suchen

Welches Ziel verfolgt der Fonds?

Risiko, Werte oder Wirkung, ausdrücklich benannt

Was ist ausgeschlossen?

eine konkrete Liste mit Schwellenwerten, nicht nur ein Schlagwort

Wird das Stimmrecht genutzt?

Angaben zu Engagement und Abstimmungsverhalten

Wird berichtet?

ein jährlicher Bericht, der die Ziele misst

Beim dritten Punkt gibt es Bewegung: Rund 46 Prozent der 3a-Wertschriften betreiben bereits Engagement und Stimmrechtsausübung. Für börsengehandelte Anlagen gilt dieser Weg als der wirkungsvollste, der in der Säule 3a überhaupt offensteht.

Eine zweite Orientierungshilfe sind die Swiss Climate Scores, ein Standard des Bundes mit sechs Indikatoren zur Klimaverträglichkeit einer Anlage. Ihre Anwendung ist freiwillig. Ende 2022 wies sie noch kein einziger 3a-Anbieter aus, inzwischen haben die ersten damit begonnen. Wer sie veröffentlicht, macht die Klimawirkung seiner Fonds überhaupt erst vergleichbar.

Bleiben alle vier Fragen unbeantwortet, sagt das grüne Etikett mehr über das Marketing des Anbieters aus als über den Fonds.

4. Was kostet eine nachhaltige Säule 3a?

Weniger, als die meisten erwarten. Bietet ein Anbieter beide Varianten an, kostet die nachhaltige laut BAFU-Studie 0.05 bis 0.16 Prozent pro Jahr mehr. Über 30 Jahre summiert sich das, bleibt aber weit unter dem Abstand zwischen einer passiven und einer aktiven Anlagelösung. Anders bei echten Impact-Produkten: Sie kosten oft rund 2 Prozent pro Jahr, sind in der Säule 3a aber ohnehin kaum verfügbar.

Bei der Rendite ist Vorsicht angebracht, in beide Richtungen:

  • Bei ESG-Ansätzen, die primär finanzielle Risiken steuern, zeigt die Mehrheit der Studien keine Renditenachteile, teils sogar leichte Vorteile. Das überrascht wenig, denn diese Ansätze sind finanziell motiviert.
  • Für Strategien, die tatsächlich eine Wirkung anstreben, deutet die Theorie eher auf einen leicht tieferen Ertrag hin. Belastbar belegt ist das nicht.

Wer Ihnen eine höhere Rendite verspricht, weil eine Anlage nachhaltig ist, verspricht zu viel. Zwei Dinge bleiben ohnehin unberührt: Ihre Renditeerwartung bestimmt der Aktienanteil und nicht das Label, massgebend dafür ist Ihre Anlagestrategie. Der Steuerabzug fällt gleich aus, nachhaltig oder nicht.

Welchen Anspruch ein Fonds verfolgt und was er zusätzlich kostet, steht in seinem Factsheet. Nur wenige Schweizer 3a-Lösungen weisen beides offen aus. Genau daran erkennen Sie einen ernsthaften Anbieter.

Anbieter prüfen lohnt sich

Welche 3a-Lösung bei Kosten, Aktienquote und Mindesteinlage zu Ihnen passt, zeigt der direkte Vergleich aller Schweizer Anbieter.

5. Häufige Fragen zur Nachhaltigkeit in der Säule 3a

Dieser Artikel wurde erstmals veröffentlicht am 13.07.2026

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